HÖREN
WIR ?
2006 Rückblick

Das Wagnis, Kunst und Musik von tradierten Aufführungspraktiken zu lösen, um sie am unerhörten Ort zu präsentieren, gehört zum Credo des Internationalen Musikfestivals »Was hören wir?«. Seit über einem Jahrzehnt zieht es Musikliebhaber und neugierige Hörer im Spätsommer an die Mulde. Der oft mutige Brückenschlag von Klassik zur Moderne, von Tradition zum Experiment und die überraschenden Eindrücke der ländlichen Kulisse gehören zum Erfolgsrezept, das bei so manchem Besucher die anfängliche Berührungsangst jäh in Begeisterung umschlagen ließ. Unser diesjähriges Programm mit Konzerten, Klanginstallationen, Führungen, einer Ausstellung und einem Vortrag macht Sie bekannt mit namhaften Komponisten unserer Zeit, hervorragenden Interpreten und Künstlern, die spannende genreübergreifende Vorhaben zwischen Musik, Poesie, Bildender Kunst und Wissenschaft verfolgen. Stellte in den letzten Jahren der Topos Landschaft einen wichtigen inhaltlichen Schwerpunkt des Festivals dar, entstand im Vorjahr mit der Veranstaltung »Wurzen – Die musikalisierte Stadt« die Idee der jährlichen Fortsetzung musikalischer Inszenierungen in den ländlichen Kleinstädten Bad Lausick, Grimma und Colditz bis 2008. Dabei geht es um Auslotung und Förderung der Klangpotentiale und musikalischen Ressourcen dieser Städte und ihrer akustischen Besonderheiten. In diesem Jahr treffen wir uns in der Kurstadt Bad Lausick. An das Jubiläumskonzert des Leipziger Saxophon Quartetts schließt sich der Klangspaziergang unter dem Motto »Wasser – Lebenselixier & Inspiration« an. Der Streifzug durch Gassen und Winkel führt auch durch unterschiedliche Stile und Epochen und wird von zahlreichen Mitwirkenden und den wandelnden Besuchern gemeinsam in ein Erlebnis für alle Sinne verwandelt. Musik auf der Straße!
Donnerstag, 7. 9., 19.30 Uhr, Studiogalerie Kaditzsch
KLAVIER GEBANNT!
Steffen Schleiermacher – Klavier
Bernd E. Gengelbach – Klangregie
Werke u.a. von Luigi Nono, Daniel Smutny,
und Steffen Schleiermacher
Der Traum, dem Klavier mehr zu entlocken als mit zehn Fingern
möglich ist, ist erfüllbar! Und auch der, dem Klavier ganz andere
Klänge zu entlocken, als dem Klavierbauer (auch in seinen Albträumen)
vorschwebte.
Und doch ist's immer nur Klavier, verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht...,
gespiegelt, gezupft, gestrichen (die Saiten, versteht sich),
abgeklopft... Die Denkmalschmiede wird zum großen Resonanzkörper
und alle sitzen mitten im Klavier (Klang).
Freitag, 8. 9., 18.00 Uhr, Bad Lausick
Jugend- und Gemeindezentrum Energie der
Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde
20 JAHRE LEIPZIGER SAXOPHON QUARTETT
Bernd Brückner – Sopransaxophon
Karola Elßner – Altsaxophon
Frank Nowicky – Tenorsaxophon
Andre Bauer – Baritonsaxophon
Gisela Steineckert – Texte
Werke von Rolf Fischer, Shih (UA), Steffen
Schleiermacher (UA) und Jens Müller (UA).
1986 in Ostberlin von Klaus Smesny, Ulrich Tewes, Rolf von
Nordenskjöld und Bernd Brückner als »Saxophon Quartett Berlin«
gegründet, war es das erste Ensemble dieser Art in der DDR. Es
sah seine Aufgabe darin, die bis dahin in der DDR weitgehend
unbekannte Kammermusikform Saxophonquartett zu pflegen.
1992 erschien unter dem neuen Namen »Leipziger Saxophon
Quartett« die erste CD unter dem Titel Saxische Vielfalt. 1996 zum
zehnjährigen Bestehen legte das Quartett seine 2. CD »10 Jahre«
vor. Sie enthält ausschließlich für das Ensemble komponierte
Werke. Seit 2001 arbeitet das Quartett in der heutigen Besetzung.
Jens Müller, Mitarbeiter im Kreismuseum Grimma, ist als Komponist
Autodidakt. Von ihm erklingt »Presente für Saxophonquartett
« nach Texten von Gisela Steineckert, die von der Autorin
vorgetragen werden.
Freitag, 8. 9., 20.00 Uhr
ab Kirche St. Kilian, Finale im Kurpark
BAD LAUSICK: DIE MUSIKALISIERTE STADT
»Wasser – Lebenselixier & Inspiration«
Klangpaziergang
Künstlerische Leitung: Stefan Fricke
Mitwirkende:
Rundfunk-Blasorchester Leipzig
Marina Kotelevskaya – Violine,
Brutyan Vahe – Viola
(Alan Hovhaness Chamber Orchestra Armenien)
Stadtmusik Bad Lausick
Sonja Bender – Video
hans w. koch – Komposition (UA)
Georg Nussbaumer – Komposition (UA)
Atonor Gymnasium Brandis
Klaus Gernhardt – Orgel
Doppelquartett des Männerchores Bad Lausick
Frauenchor Bad Lausick
Gospel Chor Bad Lausick
Günther Ries – KunstLicht, pyrotechnische
Installation
u.v.a.
Vergessen Sie alles, was Sie bisher unter Musik zu verstehen glaubten
und erleben Sie »Bad Lausick – Die musikalisierte Stadt«.
»Wasser – Lebenselixier und Inspiration«. Unter diesem Motto wird
die Kurstadt zum Schauplatz einer urbanen Musikinszenierung.
Wasser ist ein Schlüsselelement zur Geschichte dieser Stadt.
Von der ältesten Kirche Sachsens, der Kirche St. Kilian führt der
gut zweistündige Klangspaziergang durch die historische Innenstadt,
die Kuranlagen mit Klinik und Kurhotel bis zu den gepflegten
Lichtungen des Parkes.
Das Programm streift die unterschiedlichsten Stile und Epochen
und führt sie zusammen: von Händel bis Schubert, Volkslied bis
Gospel, von der Uraufführung bis zur Klanginstallation.
Vor magischen Videoprojektionen und pyrotechnischem Lichtzauber
entfaltet sich Musik zwischen Tradition und Experiment,
Vergangenheit und Gegenwart.
Samstag, 9. 9., 20.00 Uhr, Studiogalerie Kaditzsch
KOMPOSITION KONKRET!
Im Porträt: Yehuda Yannay (USA)
und Carsten Hennig (D)
Elole Klaviertrio, Dresden
Marina Kotelevskaya – Violine, Brutyan Vahe – Viola
(Alan Hovhaness Chamber Orchestra Armenien)
Im Rahmen des Porträtkonzertes werden zwei Komponisten mit
verschiedenem biografischen Hintergrund vorgestellt. Yehuda
Yannay (*1937) wurde in Rumänien geboren, erhielt seine musikalische
Ausbildung in Israel und lehrte ab 1970 an der University
of Wisconsin-Milwaukee. Im Sommer 2006 weilt er als
»composer in residence« in der Denkmalschmiede Höfgen.
Carsten Hennig, 1967 in Dresden geboren, studierte an der
Filmakademie Baden/Württemberg und Komposition bei
Adriana Hölszky in Rostock und Salzburg. Er erhielt mehrere
Stipendien darunter ein Arbeitsstipendium der Villa Massimo
Rom (2004).
Sonntag, 10. 9., 11.00 Uhr, Studiogalerie Kaditzsch
ZEICHENZEIT IV – VORTRAG
c und ¢ – Gedanken zur Musiknotenschrift
Karin Paulsmeier (Basel)
Ein Gang durch die wechselnden musikalischen Bedingungen
des 14. bis 18. Jahrhunderts verdeutlicht die Rollenwechsel von
c und ¢ und zeigt auf, dass musikalische Zeichen nicht nur auf
jeweils eine einzige Bedeutung festgelegt werden können.
www.signographie.de
Sonntag, 10. 9., ab Studiogalerie Kaditzsch
RUNDGANG & KLANG
Führung durch Galerie, Atelier & Park
Dr. Kurt Uwe Andrich
14.00 Uhr »Vierseithof mit Galerie und Studios«
15.00 Uhr »Jutta-Park und Klangphänomene«
Klanginstallationen: Ute Safrin, Klaus-Peter John:
»NN54"SS38-2006 – Sounds«
Alessandro de Francesco: »sosta#3«
Ausstellung: »Landgang«
Studiogalerie Kaditzsch
Ausstellung von Stipendiaten
der Studios International
26.8.–1.10.2006
Sonja Bender, Video (D)
Bronwen Casson, Video (GB)
Teresa Cebrián, Installation (E)
Alessandro de Francesco,
Poesie/Klangkunst (I)
Marlen Liebau, Landart (D)
Lisa Medlen, Objekt (USA)
Marie Mellott, Malerei (USA)
Jürg Kirchherr, Malerei (CH)
Katrin Kunert, Malerei (D)
Andreas Rosenthal, Grafik (D)
Olaf Teichmann, Plastik (D)
Gisela Weimann, Grafik (D)
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