LAUDATIO
Auszug aus einer Laudatio zur Verleihung des "Sächsischen Initiativpreises für Kunst und Kultur" der Kulturstiftung des Freisstaates Sachsen (2007): "An der vereinigten Mulde, nahe der Stadt Grimma gelegen, ist die Denkmalschmiede Höfgen ein Ort lebendiger Kultur. Unter den Dächern eines Vierseithofes aus dem 17. Jahrhundert hat sich im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte eine leistungsfähige Kultureinrichtung etabliert, die mit ihrem vielfältigen kulturellen Angebot im ländlichen Raum ihresgleichen sucht. Was in diesem Haus mit Fingerspitzengefühl und Nachhaltigkeit gestaltet wird, greift ein in die vielseitigen Entwicklungen der Region, die von der schöpferischen Energie und den kulturellen Visionen maßgeblich profitiert.
Als in den siebziger Jahren der Naturwissenschaftler Dr. Uwe Andrich zusammen mit einer Handvoll engagierter Mitstreiter in der ehemaligen Gemeinde Höfgen – mit etwa 300 Einwohnern in vier (!) Dörfern - damit begann, aus den Ruinen eines im 17. Jahrhundert erbauten Landgutes Schritt für Schritt eine Stätte der Kultur, Wissenschaft und Kunst zu formen, bedeutete dies eine – wenn auch den modernen Verhältnissen angepasste – Wiederaufnahme und Fortschreibung einer jahrhundertealten Tradition.
Die Anfänge in Höfgen-Kaditzsch hat Kurt Uwe Andrich einmal so beschrieben: "Mitte der siebziger Jahre entdeckte ich während meiner Streifzüge durch das Muldenland auf einer Anhöhe, nahe den malerischen Flußauen, Überreste eines ungewöhnlichen Landgutes. Wie so vielen Profanbauten vergangener Jahrhunderte drohte auch diesem Zeitzeugen bäuerlicher Alltagskultur das Schicksal des endgültigen Abbruchs durch Abriss. Oft kam ich im Verlauf der beiden folgenden Jahre in das kirchenlose Dörfchen - und schließlich entschloss ich mich, entgegen dem Urteil vieler Ratgeber, für diese Ruine. Dort, wo Dutzende Bauerngenerationen vorher die Früchte harter Feldarbeit in den Schauer brachten, begann ich, anfangs argwöhnisch von der Dorfgemeinschaft beobachtet und bespöttelt, den jahrzehntelangen Verfall aufzuhalten und eine neue Zweckbestimmung für die Zukunft zu finden."
Was in den vergangenen drei Dezennien in Höfgen-Kaditzsch an Stätten und Arealen für Kultur und Wissenschaft entstanden ist, was sich hier an vielfältigen, zum Teil neuen Formen ausprobierenden Aktivitäten und Aktionen ereignet, was hier an Kooperation mit Wirtschaft und Tourismus gedeiht, das ist so augenfällig und beeindruckend, dass sich Beirat und Vorstand der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen ohne Zögern dafür entschieden haben, diesem engagierten und kreativen Wirken mit der Verleihung des "Sächsischen Initiativpreises für Kunst und Kultur" unsere Referenz zu erweisen.
Dr. Uwe Andrich passt dabei mit der von ihm angestrebten Synthese von Wissenschaft, Kunst und Kultur ganz zu dem seit Jahrhunderten ausgeprägten genius loci dieses Landstrichs: Student der Physik und Psychologie an der Leipziger Universität von 1971-1977, danach langjährige Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich Psychophysik an eben dieser Lehrstätte und andererseits das kulturelle Engagement mit dem Beginn des Projektes Höfgen 1976, der Gründung des Förder-Vereins "Gesellschaft für Landeskultur" 1991, der Kulturbetriebs GmbH 1995, diese Fakten zeigen das zweifache Agieren Uwe Andrichs als Großstädter wie als ein in den ländlichen Raum eingebundener Mann und für sein Streben nach Ganzheitlichkeit und gegenseitigem Durchdringen von Wissenschaft, Kultur und Kunst.
Was hier im Muldental von Dr. Uwe Andrich mit seiner Partnerin Kristina Bahr und einem engagierten Kreis von Freunden und Mitarbeitern ins Werk gesetzt und glücklich vollendet wurde, hat ein Zeichen für die Region, den Freistaat Sachsen und darüber hinaus für den mitteldeutschen Raum gesetzt.
Die Kultureinrichtung umfasst heute nicht weniger als 12 Hektar öffentlich genutztes Freigelände mit dem Landschafts- und Skulpturenpark, 11 historischen Gebäude mit insgesamt 1800 Quadratmetern Nutzfläche und dazu das technische Schauwerk Schiffmühle.
Das Herzstück bildet der alte Vierseithof in Kaditzsch. Hier entstanden die ersten Studios und Gastateliers, in denen seit 1993 rund 500 in- und ausländische Künstler und Wissenschaftler eine zeitweilige Wirkungsstätte fanden. Hier wurde ein Tonstudio aufgebaut, ein Verlag und ein Kammermusiklabel gegründet und unzählige Ideen geboren, so der Jutta-Park, das Kinder- und Jugendatelier Katzenhaus und die technische Schauanlage Schiffmühle.
Mit Eröffnung der Studiogalerie 1993 blieb die Denkmalschmiede nicht länger ein Ort, wo Ideen geboren und Kunst produziert wurde, sie wurde zu einer Stätte, in der Kunst zugleich entsteht, sich präsentiert und somit einen Widerhall in der Öffentlichkeit erfährt. Allein im Zeitraum von 1993 bis Mitte 2007 fanden über 100 Ausstellungen statt unter Beteiligung von Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland, nicht zuletzt auch von Nutzern der Gastateliers, die hier ihre vor Ort geschaffenen Werke erstmals der Öffentlichkeit vorstellten und in Ateliergesprächen in den Dialog über ihr künstlerisches Wollen und Wirken mit dem Publikum treten konnten.
Zugleich ist der jährlich von mehr als 20 000 Besuchern frequentierte Ausstellungsort auch ein Begegnungsort der Künste. Im Rahmen ihres breitangelegten ambitionierten Veranstaltungsprogramms, das von Literatur und Theater bis hin zu anspruchsvollen Kammermusikreihen reicht, leistet die Denkmalschmiede Höfgen in ihrer Region eine beispielhafte Pionierarbeit von großer Kontinuität und Nachhaltigkeit im Hinblick auf die Vermittlung Neuer sowie experimenteller Musik.
Mit dem 1996 aus der Taufe gehobenen Internationalen Musikfestival Höfgen-Kaditzsch „Was hören wir?“ erhielt das Engagement für landschaftsbezogene und spartenübergreifende Aufführungspraktiken und unkonventionelle Wahrnehmungskonzepte einen jährlichen Schwerpunkt im Reigen der zahlreichen Veranstaltungensangebote.
Untrennbar von dem Vermittlungskonzept der Galerie versieht das „Kinder- und Jugendatelier Katzenhaus Kaditzsch“ seinen Bildungsauftrag mit musischen und medienpädagogischen Angeboten sowohl in eigenen Werkstattbereichen als auch mobil in den Bildungseinrichtungen der Region. Unter der kompetenten Leitung der Kreativitätspädagogin Diana Pohl entwickelte sich ein generationsübergreifendes Angebotsspektrum, das auch mit allen anderen Bereichen der Denkmalschmiede Höfgen korrespondiert.
Gerade diese enge Verzahnung der einzelnen Einrichtungsteile gehört zum Erfolgsrezept der Denkmalschmiede Höfgen. Was ursprünglich daraus resultierte, dass es in dem kleinen Ort fehlte, genügte als Initialzündung etwas Derartiges zu schaffen, um den Mikrokosmos funktionstüchtig zu machen.
Wirkungsvoll unterstützt wird das Ganze von dem Förderverein „Gesellschaft für Landeskultur“. Seit vielen Jahren wirken weit über dreihundert Bürgerinnen und Bürger regelmäßig bei der Ausgestaltung der vielfältigen kulturellen Inhalte ehrenamtlich mit und bestimmen wesentlich die Programminhalte und Angebote. Vordergründiges Anliegen des Vereins ist, die Kultureinrichtung als Begegnungsstätte verschiedener Generationen und Gruppierungen zu erhalten und die Möglichkeiten der aktiven, generationsübergreifenden Auseinandersetzung mit Kultur und Kunst bedarfsgerecht zu erweitern...".
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