Die Ursprünge
Die Geschichte der Denkmalschmiede Höfgen reicht zurück auf eine Enklave des 1243 gegründeten Zisterzienserklosters Marienthron. Die Besiedlung der Region vollzog sich im Zuge der deutschen Ostsiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts. Auf Initiative des Markgrafen Heinrich des Erlauchten von Meißen entstand mit Marienthron ein Kloster, das sich zu einem bedeutenden religiösen und wirtschaftlichen Zentrum des Zisterzienserordens entwickelte und umfangreiche Ländereien verwaltete.
Besondere historische Aufmerksamkeit erlangte das Kloster als Lebensort Katharinas von Bora, der späteren Ehefrau Martin Luthers, die 1523 aus dem Konvent floh. Mit der Reformation und der Einführung des evangelischen Glaubens in Sachsen wurde das Kloster 1542 aufgehoben; seine Besitztümer gingen in weltlichen Besitz über. Die zugehörigen Ländereien wurden fortan von freien Bauern bewirtschaftet. Kaditzsch zählte zu dieser Zeit elf „besessene Mann“, 24 Inwohner und umfasste 11¾ Hufen.
In den Jahrhunderten danach überstand der Ort zahlreiche politische und militärische Erschütterungen, darunter den Dreißigjährigen Krieg, die Napoleonischen Kriege und den Ersten Weltkrieg. Die schwersten Verluste brachte jedoch der Zweite Weltkrieg, in dessen Folge das Landgut dem Verfall preisgegeben wurde.
Mehr als drei Jahrzehnte blieb das Anwesen unbewohnt. Als es 1976 bereits zum Abriss vorgesehen war, entdeckte der Leipziger Psychophysiker Kurt Uwe Andrich die Ruine. Er erkannte die geschichtliche und architektonische Bedeutung des Ortes, erwarb das Anwesen und begann gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Kristina Bahr sowie einem engagierten Freundeskreis mit dessen behutsamer Wiedergewinnung. In jahrzehntelanger Arbeit wurde aus dem gefährdeten Vierseithof ein Ort des kreativen, wissenschaftlichen und künstlerischen Wirkens.
Das architektonische Ensemble folgt dem für Mitteldeutschland charakteristischen Prinzip des Vierseithofes. Vier Gebäude umschließen einen offenen Innenhof und bilden ein funktional gegliedertes, in sich geschlossenes Gefüge. Die zweigeschossigen Bauten aus verschiedenen Epochen dienten einst als Wohnräume, Ställe, Scheunen und Wirtschaftsgebäude. Versorgt wurde der Hof durch die unmittelbar angrenzenden Gärten, Streuobstwiesen und Felder. Diese Bauweise ermöglichte eine effiziente Bewirtschaftung, klare räumliche Abläufe und zugleich Schutz vor Witterung und äußeren Einflüssen. Historisch waren derartige Höfe prägende Zentren ländlicher Lebens- und Arbeitswelten.
Die jahrzehntelange Rekonstruktion der Denkmalschmiede Höfgen wurde mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ sowie weiteren Auszeichnungen gewürdigt.
Heute präsentiert sich die Denkmalschmiede Höfgen als ein außergewöhnlicher Ort, an dem sich Denkmalpflege, Wissenschaft, Kunst und Kultur auf besondere Weise verbinden. So wird das historische Erbe nicht nur bewahrt, sondern aus seinem Geist heraus in die Gegenwart fortgeschrieben.
Zeittafel
Bauen und Rekonstruieren: Die Wiederbelebung eines vergessenen Landgutes
Mitte der siebziger Jahre entdeckte ich während meiner Streifzüge durch das Muldenland auf einer Anhöhe, nahe den malerischen Flußauen, Überreste eines ungewöhnlichen Landgutes. Wie so vielen Profanbauten vergangener Jahrhunderte drohte auch diesem Zeitzeugen bäuerlicher Alltagskultur das Schicksal des endgültigen Abbruchs durch Abriss. Oft kam ich im Verlauf der beiden folgenden Jahre in das kirchenlose Dörfchen - und schließlich entschloss ich mich, entgegen dem Urteil vieler Ratgeber, für diese Ruine. Dort, wo Dutzende Bauerngenerationen vorher die Früchte harter Feldarbeit in den Schauer brachten, begann ich, anfangs argwöhnisch von der Dorfgemeinschaft beobachtet und bespöttelt, den jahrzehntelangen Verfall aufzuhalten und eine neue Zweckbestimmung für die Zukunft zu finden.
—Kurt Uwe Andrich, Erinnerung des Haus- und Bauherren













Weitere Projekte
Die Geschichte der Denkmalschmiede Höfgen reicht zurück auf eine Enklave des 1243 gegründeten Zisterzienserklosters Marienthron. Die Besiedlung der Region vollzog sich im Zuge der deutschen Ostsiedlung des 12. und 13. Jahrhunderts. Auf Initiative des Markgrafen Heinrich des Erlauchten von Meißen entstand mit Marienthron ein Kloster, das sich zu einem bedeutenden religiösen und wirtschaftlichen Zentrum des Zisterzienserordens entwickelte und umfangreiche Ländereien verwaltete.
Besondere historische Aufmerksamkeit erlangte das Kloster als Lebensort Katharinas von Bora, der späteren Ehefrau Martin Luthers, die 1523 aus dem Konvent floh. Mit der Reformation und der Einführung des evangelischen Glaubens in Sachsen wurde das Kloster 1542 aufgehoben; seine Besitztümer gingen in weltlichen Besitz über. Die zugehörigen Ländereien wurden fortan von freien Bauern bewirtschaftet. Kaditzsch zählte zu dieser Zeit elf „besessene Mann“, 24 Inwohner und umfasste 11¾ Hufen.
In den Jahrhunderten danach überstand der Ort zahlreiche politische und militärische Erschütterungen, darunter den Dreißigjährigen Krieg, die Napoleonischen Kriege und den Ersten Weltkrieg. Die schwersten Verluste brachte jedoch der Zweite Weltkrieg, in dessen Folge das Landgut dem Verfall preisgegeben wurde.
Mehr als drei Jahrzehnte blieb das Anwesen unbewohnt. Als es 1976 bereits zum Abriss vorgesehen war, entdeckte der Leipziger Psychophysiker Kurt Uwe Andrich die Ruine. Er erkannte die geschichtliche und architektonische Bedeutung des Ortes, erwarb das Anwesen und begann gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin Kristina Bahr sowie einem engagierten Freundeskreis mit dessen behutsamer Wiedergewinnung. In jahrzehntelanger Arbeit wurde aus dem gefährdeten Vierseithof ein Ort des kreativen, wissenschaftlichen und künstlerischen Wirkens.
Das architektonische Ensemble folgt dem für Mitteldeutschland charakteristischen Prinzip des Vierseithofes. Vier Gebäude umschließen einen offenen Innenhof und bilden ein funktional gegliedertes, in sich geschlossenes Gefüge. Die zweigeschossigen Bauten aus verschiedenen Epochen dienten einst als Wohnräume, Ställe, Scheunen und Wirtschaftsgebäude. Versorgt wurde der Hof durch die unmittelbar angrenzenden Gärten, Streuobstwiesen und Felder. Diese Bauweise ermöglichte eine effiziente Bewirtschaftung, klare räumliche Abläufe und zugleich Schutz vor Witterung und äußeren Einflüssen. Historisch waren derartige Höfe prägende Zentren ländlicher Lebens- und Arbeitswelten.
Die jahrzehntelange Rekonstruktion der Denkmalschmiede Höfgen wurde mit dem „Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege“ sowie weiteren Auszeichnungen gewürdigt.
Heute präsentiert sich die Denkmalschmiede Höfgen als ein außergewöhnlicher Ort, an dem sich Denkmalpflege, Wissenschaft, Kunst und Kultur auf besondere Weise verbinden. So wird das historische Erbe nicht nur bewahrt, sondern aus seinem Geist heraus in die Gegenwart fortgeschrieben.
Zeittafel
- 1243 – Gründung des Zisterzienserklosters Marienthron
- 13./14. Jahrhundert – Errichtung des Steinkreuzes
- um 1604 – Bau des ehemaligen Wohn- und Stallhauses
- um 1730 – Errichtung der ehemaligen Stampflehmscheune
- um 1760 – Bau der Remise, ehemals Wagenhaus
- um 1804 – Errichtung des Torhauses, ehemals Auszugshaus
Bauen und Rekonstruieren: Die Wiederbelebung eines vergessenen Landgutes
Mitte der siebziger Jahre entdeckte ich während meiner Streifzüge durch das Muldenland auf einer Anhöhe, nahe den malerischen Flußauen, Überreste eines ungewöhnlichen Landgutes. Wie so vielen Profanbauten vergangener Jahrhunderte drohte auch diesem Zeitzeugen bäuerlicher Alltagskultur das Schicksal des endgültigen Abbruchs durch Abriss. Oft kam ich im Verlauf der beiden folgenden Jahre in das kirchenlose Dörfchen - und schließlich entschloss ich mich, entgegen dem Urteil vieler Ratgeber, für diese Ruine. Dort, wo Dutzende Bauerngenerationen vorher die Früchte harter Feldarbeit in den Schauer brachten, begann ich, anfangs argwöhnisch von der Dorfgemeinschaft beobachtet und bespöttelt, den jahrzehntelangen Verfall aufzuhalten und eine neue Zweckbestimmung für die Zukunft zu finden.
—Kurt Uwe Andrich, Erinnerung des Haus- und Bauherren













Weitere Projekte
- um 1776 – Bau des Lindhauses, ehemals Gasthof „Zur Linde“; Um- und Ausbau 2003
- um 1780 – Bau des Weidehauses; Um- und Ausbau 1995
- um 1896 – Anlage des Jutta-Parks; Rekonstruktion 1991–1996
- 1902 – Errichtung des Parkrondells; 1945 zerstört, Neubau 1993
- 1904 – Errichtung des Aussichtsturms; am 12. Mai 1945 zerstört, Rekonstruktion 1992
- 1904 – Anlage des Parkspringbrunnens und der Wasseranlagen; 1945 zerstört, Neubau 1992–1994
- 1854 – Bau der Schiffmühle; 1871 abgebrannt, Neubau 1991
- um 1938/1980 – Stregehaus, ehemals Bleichplan, Tabackscheune und Dorfkonsum: ursprünglich um 1938, Umbau um 1980, weiterer Um- und Ausbau 1993–1995
