Kristina Bahr „Zwischenhimmel“ 
Malerei


kb Baum
Abb.: Kristina Bahr: „Gedanken über ein Baumpaar“, 185 cm x 240 cm
Öl auf Leinwand, 2026




Ausstellung: 1.5.2026 – 30.11.2026

Denkmalschmiede Höfgen, Studiogalerie



Nebelaue_Bahr2026
Abb.: Kristina Bahr: Nebelaue, 80 cm x 100 cm
Öl auf Leinwand, 2026



Zwischen Himmel und Erde
Zur Malerei von Kristina Bahr

Wer das kulturelle Leben im Leipziger Muldenland in den vergangenen Jahrzehnten verfolgt hat, begegnet dem Namen Kristina Bahr an entscheidenden Schnittstellen der Kunstvermittlung. Als Grafikerin, Kuratorin und Mitgestalterin der Denkmalschmiede Höfgen hat sie Ausstellungen eingerichtet, Projekte angestoßen und Orte geschaffen, an denen Kunst sichtbar werden konnte. Dass sie selbst malt, blieb hinter dieser Arbeit lange die stille Seite ihrer Biografie.

Für Kristina Bahr ist Malerei kein Rückzug aus dem Leben, kein privates Refugium, sondern eine andere Form von Aufmerksamkeit. Sie betrachtet die Landschaften des Leipziger Muldenlands, die sie täglich umgeben, nicht als Motivvorrat, nicht als gefällige Ansicht, sondern als Gegenüber.

„Jeden Tag Himmel und Licht geschenkt, dazu eine Landschaft, die mich fasziniert: weder lieblich noch spektakulär, aber voller Überraschungen. Es war für mich überfällig, das Muldental zu malen.“

Dieser Satz beschreibt den inneren Ausgangspunkt ihrer aktuellen Werkserie „Zwischenhimmel“. Was sich in diesen Arbeiten zeigt, verweigert sich dem Spektakulären: Himmel, Felder, Licht, der Flusslauf der Mulde, wechselnde Wolken. Gerade daraus gewinnt ihre Kunst ihre Spannung.

Dieser geschulte und doch niemals kühle Blick hat eine präzise Vorgeschichte. Kristina Bahr wurde 1967 in Stollberg im Erzgebirge geboren. Bereits von 1983 bis 1985 besuchte sie die Abendakademie der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Nach einer Buchbinderlehre in Leipzig studierte sie von 1988 bis 1994 Illustration, Typografie und Grafikdesign an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Hildegard Korger und Rolf Felix Müller. 1991 absolvierte sie ein Gastsemester am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax, Kanada.

Die Herkunft aus Handwerk, Grafik, Typografie und Illustration bleibt ihren Bildern anzumerken. Es geht um Maß, Fläche, Rhythmus und das Verhältnis von Linie und Raum.

Über Jahrzehnte hinweg stand diese Genauigkeit vor allem im Dienst anderer. In der Studiogalerie der Denkmalschmiede Höfgen kuratierte Bahr mehr als 130 Ausstellungen, von Illustration bis Installation. Gemeinsam mit Kurt Uwe Andrich initiierte sie Formate wie das Musikfestival „Was hören wir“ oder das Landschaftskunstprojekt „Weg der Steine“. Es waren Projekte, die Kunst nie isoliert verstanden, sondern sie mit Landschaft, Ort und Öffentlichkeit verbanden.

Die eigene künstlerische Arbeit musste sich in diesem Gefüge aus Familie, Betrieb und Organisation lange behaupten. Die Malerei verschwand nie, blieb aber fragmentarisch. Seit 2007 unternimmt Kristina Bahr regelmäßig Malreisen nach Frankreich. Dort entstanden zunächst vor allem Aquarelle und Zeichnungen: schnell, konzentriert, nah am Augenblick. Die Auseinandersetzung mit Landschaft, Licht und Atmosphäre prägt seither ihre künstlerische Arbeit.

Der entscheidende Einschnitt kam 2024 mit dem Bezug eines eigenen Ateliers in Kaditzsch. Erstmals gab es einen Raum, der weder der Vermittlung noch der Logistik des Kulturbetriebs diente, sondern allein der eigenen künstlerischen Arbeit. Mit diesem Raum veränderte sich das Werk: Die Formate wurden größer, die Farben dichter, Öl trat als bestimmendes Medium in den Vordergrund. Aus einer gelegentlichen Praxis wurde ein zusammenhängender Werkprozess.

Im Zentrum der aktuellen Arbeiten steht das Leipziger Muldenland – frei von romantischer Kulisse und touristischem Bild. Kristina Bahr malt eine Landschaft, die sie durch jahrzehntelange Anschauung kennt, ohne sie zu vereinnahmen. Ihre Serie „Zwischenhimmel“ konzentriert sich auf Übergänge: zwischen Licht und Schatten, Nähe und Ferne, Erde und Himmel. Wolkenzüge, Horizonte und spiegelnde Wasserflächen werden zu Trägern einer stillen Bewegung.
Diese Bilder erzählen nicht. Sie beobachten. Sie protokollieren Stimmungen, ohne sentimental zu werden. Man spürt ihnen die Erfahrung eines langen Sehens an: das Wissen darum, dass Landschaft sich fortwährend verändert, selbst wenn sie unbewegt erscheint.

Die Qualität dieser Malerei liegt in ihrer Zurückhaltung. Kristina Bahr sucht nicht das große Motiv, sondern den Moment, in dem Licht, Raum und Farbe ein empfindliches Gleichgewicht eingehen. Ihre Arbeiten sind keine Flucht aus der Realität, sondern dessen bewusste Verlangsamung. Sie nimmt ernst, was im schnellen Blick des Alltags übersehen wird.

So wird Malerei hier zu einer Übung der Gegenwart: nicht laut, nicht programmatisch, frei von Dekor – sondern getragen von einer tiefen, sehenden Aufmerksamkeit.

Sie malt Himmel, Felder, Wasser, Licht. Und die leisen Veränderungen einer Landschaft, die sich erst zeigen, wenn man lange genug hinsieht.

Begleittext zur Werkserie „Zwischenhimmel“
Kurt Uwe Andrich


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Abb.: Kristina Bahr: Im März bei Leipzig, 100 cm x 100 cm
Öl auf Leinwand, 2026




Sonntag, 12. Juli 2026, 16 Uhr

Midissage
Kristina Bahr „Zwischenhimmel“ 
Malerei


Laudatio: Julia Blume
Musik: Matthias Ehrig, Gitarre


Weitere Informationen: www://kristinabahr.com

Galerie geöffnet zu Veranstaltungen und nach Vereinbarung:
📞 +49 3437 98 770


▶︎ Veranstaltungskalender



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